UNESCO-Weltkulturerbe Erzbergwerk Rammelsberg Goslar 

Bauherr:                     Rammelsberger Bergbaumuseum Goslar GmbH
Ausführung:
               1990 - 2015   
LPH:
                             1-8
Projektkosten:          ca. 15 Mio. €       
Projektleitung:
          Dipl.-Ing. Uwe Kleineberg
                                      Konzeptionelle Entwicklung: Prof. Dr.-Ing. R. Roseneck
Denkmalpflege:       
Nds. Landesamt für Denkmalpflege
Tragwerksplanung: HIG, Prof. Dr. Ing. Rainer Hempel, Köln
Ausstellung:             Grafikatelier Hinz & Kunst in Zusammenarbeit mit Kleineberg Architekten

Das UNESCO-Weltkulturerbe Rammelsberg wurde seit 1990 nach der Stilllegung des Erzabbaus im Jahr 1988 ausgebaut. Von Anfang an wurden auf der Grundlage einer architektonisch-inhaltlichen Gesamtkonzeption sämtliche ungewöhnlichen und differenzierten Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen für das gesamte Bauwerk durchgeführt: Die Sanierung und Restaurierung des riesigen, übertägigen Gebäudekomplexes mit ca. 30.000 qm Nutzfläche durchgeführt - und das in beispielhafter, substanzschonender Weise, einem UNESCO-Weltkulturerbe angemessen, unter "souveräner Anwendung denkmalpflegerischer Kriterien" (Bauherr). Nachdem es 1996 gelungen war, den Rammelsberg als eines der ersten weltweiten Projekte der Weltausstellung EXPO 2000 zu positionieren wurde es als "Flaggschiff" der dezentralen Projekte etabliert. Unter dem Titel "EXPO on the Rocks" wurde dieses Projekt unter großem Zeitdruck konzipiert und realisiert. Am Beispiel des Erzbergwerkes Rammelsberg wurde der Weltöffentlichkeit der innovativ-exemplarische Umgang mit einem UNESCO-Weltkulturerbe ebenso demonstriert wie die innovativ-exemplarische Vermittlungsform des EXPO-Generalthemas "Mensch - Natur - Technik".
Die Konzeptentwicklung
Mit dem Rammelsberg-Team gemeinsam entwickelten konzeptionellen Ansatz, das gesamte Bergwerk über und unter Tage als Exponat seiner selbst zu behandeln, Geschichte am authentischen Ort zu vermitteln, dieses zusätzlich durch ein miteinander verwobenes System von Ausstellungen zu begleiten und schließlich auch Kulturlandschaft und Altstadt in das gesamtkulturelle Vermittlungskonzept einzubeziehen. Mit dem Konzept "Der Rammelsberg" wurden Maßstäbe sowohl in der Denkmallandschaft als auch in der Museumslandschaft gesetzt.

Der Masterplan Rammelsberg
Dieser konzeptionelle Rahmen wurde in den "Masterplan Der Rammelsberg" umgesetzt. Der Masterplan definiert die planerischen Zielsetzungen und bildet die Grundlage der folgenden architektonischen Maßnahmen.

Die Sanierungen und Umbauten
Die umfassende Bautätigkeit für den Rammelsberg beinhaltete:

  • Sanierung und Umbau sämtlicher Bauten der Übertageanalgen als Museum und Besucherbergwerk,
  • Signifikante Einfügung neuer moderner Architekturelemente in die denkmalgeschützte Bausubstanz nach dem vor Ort entwickelten "Zwei-Schichten-Konzept" mit den sichtbaren Nahtstellen zwischen Alt und Neu.
  • Konzept: Gebäude und Maschinenausstattung als "Exponate ihrer selbst"
  • Erhaltung und Präsentation der authentischen Gebrauchsspuren
  • Entwicklung und Realisierung der gesamten Besucherinfrastruktur (Museumsrestaurant, Museumsshop, Sanitäranlagen, Besucherleitsystem, Kassen- und Infoterminal, Maßnahmen zur Gewährleistung der Besuchersicherheit, Parkplätze, etc.)
  • Einbeziehung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse in die architektonischen und technischen Planungen,
  • darüber hinaus waren die weitläufigen Untertagebereiche zu sanieren, zu erweitern und für Besucher herzurichten, wozu die Planung und Herstellung der Untertage-Erschließung von unterirdischen Treppen und Galerien zählte.

Die Ausstellungen
Es wurden mehrere große Dauerausstellungen zu den Themen Arbeitswelt, Mensch-Natur-Technik, Mineralogie und Geologie sowie zwei Kunstausstellungen mit Arbeiten von Gerd Winner sowie von Christo und Jeanne-Claude ("Package on a hunt") in außergewöhnlicher Gestaltung realisiert, neben der Präsentation der Vielzahl der authentischen Orte des Denkmals für die Besucher:

  • Einführung von Ausstellungselementen, die aus dem Denkmalbestand heraus konzipiert sind.
  • Erarbeitung der Ausstellungskonzeptionen auf Grundlage der Ergebnisse im Team mit den Wissenschaftlern des Hauses, dem Grafiker-Team des Ateliers Hinz & Kunst, Braunschweig und zahlreichen Sonderfachleuten usw., immer unter Berücksichtigung und Einbeziehung der Gebäudesubstanz,
  • parallel dazu individueller Entwurf und detaillierte Ausarbeitung der Ausstellungsarchitektur (Systeme und Vitrinen, Ausstellungsbeleuchtung und Medieneinsatz),
  • Entwicklung und Realisierung von Ausstellungsinszenierungen und Ausstellungsszenographien,
  • innerhalb dieses Prozesses Verschmelzungen mit den Inhalten der Ausstellungen.

Dieses umfassende Projekt des bespielhaften denkmalpflegerisch-musealen Umgangs mit einem UNESCO-Weltkulturerbe und Baudenkmal von besonderer nationaler Bedeutung mit höchsten Anforderungen des Denkmalschutzes konnte unter allerhöchstem Zeitdruck termingerecht und budgetgerecht zur EXPO 2000 fertiggestellt werden.
Das Ergebnis fand sowohl in Fachkreisen als auch in nationalen und internationalen Medien (Presse, Funk, Fernsehen) große Anerkennung. Die Zahl der Besucher konnte von ca. 80.000 auf ca. 220.000 gesteigert werden.
Unter Anwendung sowohl innovativer denkmalpflegerischer Prinzipien als auch neuester Sanierungs- und Restaurierungstechniken wurde behutsam und souverän mit bedeutender Denkmalsubstanz umgegangen, es wurden aufgrund langjähriger Erfahrungen mit derartiger Bausubstanz auch die wirtschaftlichen Vorteile aus dem substanzschonenden Umgang verwirklicht. Bei architektonischen Ergänzungen sind konsequent kreative Lösungen in moderner Architektursprache gefunden worden, deren Gestaltung eine hohe Qualität besitzt, grundsätzlich im Dialog mit der Architektur, den Raumqualitäten und dem Wesen des Denkmals.