Portal zur Geschichte
Stiftskirche Bad Gandersheim - Kloster Brunshausen - Fürstliches Haus
Bauherr: Portal zur Geschichte e.V.
Verein zur Darstellung der Bedeutung des freien Reichsstiftes Gandersheim, Dr. M. Hoernes
Ausführung: 2001 - 2002 (PzG Stiftskirche)
2004 - 2007 (PzG Fürstliches Haus und PzG Kloster Brunshausen)
LPH: 2 - 8
Projektkosten: ca. 2,0 Mio. €
Projektleitung: Dipl.-Ing. Uwe Kleineberg
Denkmalpflege: Stadt Bad Gandersheim und Nds. Landesamt für Denkmalpflege
Ausstellung: Grafikatelier Hinz & Kunst in Zusammenarbeit mit Kleineberg Architekten
Parallel mit der Sanierung des Westwerkes und des Fräuleinchores der Stiftskirche wurde eine museale Gesamtkonzeption erarbeitet und realisiert für die Präsentation und Vermittlung des Baudenkmals mit allen seinen historischen Elementen (thematische Wege zu: Baugeschichte, Bauskulptur, Reliquienkult, Heiligenverehrung, Entwicklung der Liturgie und Grabkunst). Dieses museale Projekt wurde von 2004 bis 2005 als "Portal zur Geschichte" realisiert.
Die Ausstellungsräume in der Stiftskirche (2001 - 2002) werden vom „Portal zur Geschichte e.V.“ in Kooperation mit der Kirchengemeinde getragen. Umbauten und Einbauten wurden so ausgeführt, dass der Sakralbau mit seiner Spiritualität und seiner mittelalterlichen Bausubstanz gestärkt wird und zugleich in einer Weise zusätzlich für Präsentationen genutzt werden kann, ohne den Charakter als liturgisch genutzten Raum zu beeinträchtigen.
Die Klosteranlage Brunshausen (2004 - 2005), nicht mehr kirchlich genutzt, wurde mit ihrer romanischen Kernsubstanz, einer gotischen Hallenkirche und einem barocken Fürstlichen Haus der Reichsäbtissin, ausschließlich für Museumsräume umgebaut. Sie nehmen als Glanzpunkt die kostbare Textiliensammlung mit dem Paramentenschatz, Reliquien und Baufragmente des Klosters auf.
Im Fürstlichen Haus (2004 - 2005) werden originale bauzeitliche Wandmalereien der ehem. Barocken Wunderkammer und die Gelehrtensammlung im Museum präsentiert. Nach der Sanierung und dem denkmalgerechten Umbau der über 1000 Jahre alten Gebäude ottonischer Könige und Kaiser, der byzantinischen Prinzessin und Kaiserin Theophanu sowie vieler Generationen von Äbtissinnen stehen sie als Museum - in abschnittsweiser Fertigstellung in 4 aufeinanderfolgenden Bauabschnitten zwischen 2000 und 2007 - wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Als 1995 / 1997 im Zuge einer Kirchenrenovierung der Kirchenschatz des ehrwürdigen Frauenstifts Gandersheim wiederentdeckt wurde, war klar, dass sich ein neuer Zugang zur großen Vergangenheit des Ortes geöffnet hatte. Kirchengemeinde und Stadt zogen an einem Strang und ermöglichten die Einrichtung des "Portals zur Geschichte e.V."
Die Ausstellung im Westwerk der Stiftskirche bietet einen emotionalen Zugang zu den Exponaten.
Die Ausstellungsorte, der romanische Kirchenbau der Stiftskirche und die gotische Klosterkirche Brunshausen, eignen sich nicht primär als Museumsbauten. Temperaturschwankungen zwischen 10° und 20° und eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 80% bedingen einen hohen konservatorischen Aufwand. Belange des Denkmalschutzes waren zu beachten, die Ausstellungsvitrinen mussten höchsten Anforderungen genügen und der Transport von Exponaten und Ausstellungsarchitektur erforderte immer neue und kreative Lösungen.
Der Ausstellungsbereich in der Stiftskirche liegt im Obergeschoss des Westriegels und umfasst 116 m². Dieser Bereich ist dem ehemaligen Kirchenschatz gewidmet.
Eine lange Wendeltreppe, die in das Obergeschoss des Westriegels führt, dient als Zeitstrahl, der den Besucher aus der Gegenwart ins Frühmittelalter zurückführt. Im ersten Raum erwartet ihn eine goldglänzende Ausstellungsarchitektur, die an das verschwundene Gold des Schatzes oder an das "Himmelslicht" gotischer Altäre erinnert. Vor diesem Hintergrund sind die größten Schätze der Kirche präsentiert: die äußerlich unscheinbare Reliquiensammlung aus dem 10./11. Jahrhundert oder Heiligenfiguren des 16. Jahrhunderts. Mit Hilfe der goldglänzenden Inszenierung wird dem Besucher klar, dass die zunächst unspektakulär erscheinenden Exponate tatsächlich der wertvollste Kern des Gandersheimer Kirchenschatzes waren. Die in ihren Reliquien präsenten Heiligen und der über die Jahrhunderte wechselnde Umgang mit ihnen wird in der ersten Ausstellungseinheit erfahrbar.
Im Mittelraum des Westbaus ist die zum Kirchenschiff geöffnete romanische Empore durch die zurückhaltende Inszenierung nahezu ungestört erlebbar. Mit dem Blick in den Kirchenraum kann sich der Besucher auf eine musikalische Zeitreise begeben und den gregorianischen Gesängen der Kanonissen, der Kanoniker und Stiftschülern oder den Chorälen des barocken Konvents lauschen. Versteckte Kritzeleien im Wandputz werden wirkungsvoll präsentiert: die historischen Ritzungen in den Kalkputzwänden werden durch Streiflicht aus Stelen erfahrbar gemacht.
Schließlich führt der Rundgang in die ehemalige Schatzkammer des Stiftskirche. Der Raum ist nüchtern und kühl inszeniert. Statt Gold und Rot dominieren jetzt Silber und kühles blau. Verehrung und Ehrfurcht weichen einem Blick und dieser nüchterne Blick ist durch die Konzeption des Zugangs auf die wertvollsten Objekte der Sammlung gerichtet. Erhalten haben sich heute wertvolle Objekte aus Holz, Stoff und Bergkristall.