Kavalierhaus Gifhorn
Bauherr: Bürgerstiftung Kavalierhaus Gifhorn
Ausführung: 2009 - 2011
LPH: 1 - 8
Projektleitung: Dipl.-Ing. Uwe Kleineberg
Das Kavalierhaus ist das älteste Bürgerhaus der Stadt: erbaut 1546, ein unter Denkmalschutz stehendes Ensemble mit Garten und Nebengebäuden. Es markiert
mit seiner prächtigen Renaissance-Steinfassade den Stadtraum. Das mächtige Eichenfachwerk prägt die dem Schloss zugewandte Gebäudeseite mit dominantem Fachwerkschmuck aus profilierten Knaggen und Schildflächen mit rot verputzten Gefachen. Der Baumeister der Schlossanlage, Michael Clare, war auch Baumeister des Kavalierhauses. Die fast 500-jährige Baugeschichte ist durch bauhistorische und restauratorische Befunde ermittelt und ablesbar. Die bau- und kunsthistorische Bewertung und die nahtlos dokumentierte Nutzungsgeschichte verkörpern die überregionale Bedeutung des Kavalierhauses, das damit auch Bestandteil des nationalen baukulturellen Erbes ist. Die „Bürgerstiftung Kavalierhaus“ ist Eigentümerin des Kavalierhauses. Die Stiftung sichert den Betrieb und stellt das Haus der Öffentlichkeit für Kulturarbeit zur Verfügung. Mit diesem Konzept ist die Nachhaltigkeit der Maßnahme, der dauerhafte Erhalt und die langfristige öffentliche Nutzung gesichert. Der Zustand des Baudenkmals war bei der Übernahme durch die Stiftung im Jahr 2007 prekär, bereits 2002 mussten Notsicherungsarbeiten ausgeführt werden. Die umfassenden Mängel am statisch-konstruktiven Gefüge, der aktive Schädlingsbefall und Feuchteeintrag führten zu massiven Schäden außen und innen mit Verformungen, Setzungen, Brüchen von Deckenbalken und verfaulten Fachwerkgliedern einschl. zerstörter Grundschwellen. Die denkmalgerechten Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen folgten dem Prinzip des maximalen Substanzerhalts mit behutsamen Eingriffen. Besondere, erst bei der Sanierung entdeckte historische Bauteile und Befunde wurden freigelegt, gesichert und in situ erhalten. Die methodische Herangehensweise bei der Restaurierung beinhaltet eine speziell für das Baudenkmal entwickelte Konzeption für die Vermittlung: wie in „aufgeschlagenen Zeitschichten“ wird das Haus zum Sprechen gebracht, z.B. beim Museum für Wohnkultur im Obergeschoß, bei den attraktiven Präsentationen von Befunden im Erdgeschoß, in den didaktisch aufbereiteten baulichen Geschichtsfenstern und in der Kommunikationsstrategie des Kavalierhauses, über Touch-Screen-Monitore und kulturelle Veranstaltungen.