Lern- und Dokumentationszentrum KZ Mittelbau Dora Nordhausen

Bauherr:                      Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora
Ausführung:                2003 - 2005
LPH:                               1 - 8
Projektkosten:            ca. 5,0 Mio. €
Projektleitung:           Dipl.-Ing. Uwe Kleineberg
                                       Mitarbeit: Dipl.-Ing. A. Pohl (Kleineberg Architekten)
Denkmalpflege:         Stiftung Gedenkstätten
Freiraumgestaltung: Prof. Hinnerk Wehberg, WES und Partner Hamburg
Wettbewerb:               1. Preis, zweistufiger internationaler Wettbewerb, Kleineberg Architekten mit WES Wehberg
                                        Architekturpreis 2005 der Architektenkammer Thüringen


Der Neubau des Lern- und Dokumentationszentrums ist Bestandteil einer zusammen mit den Landschaftsarchitekten WES & Partner entwickelten Gesamtkonzeption zur Neugestaltung der Gedenkstätte Mittelbau Dora in Nordhausen. Ziel des Freiraumkonzeptes ist die Sicherung und Kennzeichnung der überwachsenen historischen Spuren im Gelände und damit die "Entidyllisierung" des (landschaftlich reizvoll gelegenen) ehem. Konzentrationslagers. Der Baukörper liegt auf einem leicht ansteigenden Hang und ist vom Gelände durch ein schmales Lichtband abgelöst - er stellt sich als leichte technische Hülle - als Container dar und ist Behälter für Erinnerungen und Informationen. Er dient der Bewahrung von Relikten und Quellen, öffnet sich aber auch dem Besucher als Versammlugs- und Lernort. Die einfache Form und zurückhaltende Gestaltung nimmt Rücksicht auf die besondere Situation und Bedeutung des Ortes, dessen Authenzität nicht beeinträchtigt werden soll. Der Material- und Farbkanon beschränkt sich - ebenso wie die Detailgestaltung - auf wenige klar definierte Elemente:
Großformatige Fassadentafeln aus Faserzement, hellgrau durchgefärbt, Stahlprofile, anthrazit für die Fassadenverglasungen, Sichtbeton für tragende Wandscheiben, Stützen, naturfarbener Zementestrich für die Böden, eingespannte Ganzglasgeländer an Treppen und Galerien sowie helles Holzfurnier für die geschwungene Bücherwand der Bibliothek.
Die großzügigen Fassadenöffnungen erlauben - wie gerahmte Bilder - Ausblicke in die Landschaft und zur Stadt Nordhausen oder fokussieren im Kontrast dazu den Blick auf das Lagergelände, den ehemaligen Bahnhof und die Stolleneingänge der untertägigen ehemaligen Produktionsanlagen. Durch die wechselseitigen Blickbezüge wird die Funktion des Gebäudes als "Klammer" zwischen Häftlingslager und Industriebereich unterstrichen sowie auf die -nicht nur räumlich enge- Verbindung zwischen der Stadt Nordhausenn und dem Lager hingewiesen.
Kern des Lern- und Dokumentationszentrums ist der ca. 500 qm große Ausstellungsbereich im Erdgeschoss. Weiter befinden sich im Erdgeschoss das Foyer sowie ein Kino- und Veranstaltungssaal für 100 Personen, der bei Bedarf über flexible Trennwände mit dem Foyer zusammengeschaltet werden kann. Das Obergeschoss teilt sich in einen öffentlichen Bereich mit Cafeteria und Seminarräumen und einen internen Bereich mit Mitarbeiterbüros und Besprechungsräumen auf. An der Schnittstelle der beiden Bereiche befinden sich Bibliothek und Archiv mit den Besucherarbeitsplätzen.