Schildepark, Bad Hersfeld
Bauherr: Wirtschaftsbetriebe Bad Hersfeld GmbH
Ausführung: : 2010 - 2017
LPH: 1-9
Projektkosten: Stockwerksfabrik ca. 9,5 Mio. €
Schildehalle ca. 7,50 Mio. €
Zwischentrakt ca. 2,6 Mio. €
Alte Verwaltung ca. 6,5 Mio. €
Projektleitung: Dipl.-Ing. Bert Härtl
Dipl.-Ing. Uwe Kleineberg
Freiraumplanung: Wette und Küneke, Göttingen
Tragwerksplanung Sonderstatik: HIG, Prof. Dr. Ing. Rainer Hempel
Denkmalpflege: Untere Denkmalschutzbehörde, Herr van Horrick
Das ehemalige ca. 5,5 ha große Gewerbegebiet wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Rande der Innenstadt von der Firma Benno Schilde BSH als Maschinenfabrik mit Verwaltungsgebäuden genutzt. Die Nutzungen wurde 2008 durch Verlagerung der Firmen beendet. Historische Gebäudeanlagen als markante Orientierungspunkte sind
- die Stockwerksfabrik von 1904/1910
- die ehem. Versuchshalle von 1912
- die Alte Verwaltung von 1908
Im Zuge der Konversion des ca. 55.000 qm großen Industrieareals am Rande der Innenstadt wurden die denkmalgeschützten Gebäude der industriellen Nutzung allesamt öffentlichen oder halböffentlichen Nutzung zugeführt, wie zum Beispiel für die Technische Hochschule Mittelhessen, die überbetriebliche Lehr- und Lernwerkstatt für metallverarbeitende Berufe, die Veranstaltungshalle, das Museum "Wortreich" und Wissenschaftszentrum für die Deutsche Sprache.
Gesamtkonzeption / Masterplan
Nach Schließung des Industriestandortes nördlich der Bad Hersfelder Innenstadt wurde für die Stadt Bad Hersfeld zusammen mit Landschaftsarchitekten, Ingenieurbüros für Tragwerk, Altlastenbeseitigung, Versorgungstechnik und Wasserbau eine Gesamtkonzeption für die Nachnutzung des ca. 14 ha großen Industrieareales (bis 2009 in Betrieb) erarbeitet und seit 2010 schrittweise umgesetzt. So konnten die denkmalgeschützten Industriebauten erhalten werden und nach umfassender Sanierung neu genutzt. Die jeweiligen Nutzungsperspektiven wurden bereits bei der Erarbeitung der Sanierungskonzepte berücksichtigt.
Stockwerksfabrik von 1904/1910
Die denkmalgeschützte ehemalige Stockwerksfabrik wurde für die Dauerausstellung „Wortreich“ mit angeschlossener Gastronomie, Besucherservice, Werkstätten, Verwaltung und Sonderausstellungsflächen sowie Hörsälen der TH Mittelhessen saniert und zum Science-Center umgebaut. Baumaßnahmen Außenhülle: Die aufwendigen, für die Bauzeit des Gebäudes (1905 / 1920) typischen Klinkerfassaden wurden wieder instandgesetzt und in Teilbereichen rekonstruiert. Die abgängigen und nicht mehr im Originalzustand erhaltenen Fenster wurden ersetzt durch neue hochwärmegedämmte Fenster, Fensterteilung und Struktur nach historischen Vorlagen rekonstruiert.
Baumaßnahmen im Gebäudeinneren der Stockwerksfabrik: Das nicht mehr im Originalzustand erhaltene Gebäudeinnere wurde entkernt, das historische Tragwerk punktuell verstärkt und neue Erschließungswege (zentrale Treppenanlage, barrierefreie Erschließung mit Aufzugsanlagen) in das historische Gebäude eingefügt. In insgesamt drei Geschossen und dem Kellergeschoss wurden neue Nutzungen integriert. Die gesamte Technische Ausrüstung des Gebäudes wurde neu erstellt. Teilweise parallel mit den Baumaßnahmen wurde die Dauerausstellung "wortreich" durch die Planungsbüros Petri & Tiemann GmbH, Bremen und m.o.l.i.t.o.r, Berlin im Museumsgebäude realisiert.
Veranstaltungshalle in der ehem. Babcock-Versuchshalle von 1912
Ein Ort mit einer besonderen Atmosphäre. Die Backsteinarchitektur mit den filigranen genieteten Eisenstützen, der Kranbahn und den Stahlfachwerkträgern des Daches und den hellen Oberlichtern bestimmen den Charakter des Raumes. Wenn die Halle komplett verdunkelt ist, bringt eine Lichtinszenierung die Industriearchitektur der dreischiffigen Halle zur Wirkung.
Die Alte Verwaltung von 1908
Das Gebäude der "Alten Verwaltung" ist eines von vier unter Denkmalschutz stehenden Industriegebäuden, die allesamt eindrucksvoll die qualitätsvolle Industriearchitektur der Benno-Schilde-Maschinenfabrik in Bad Hersfeld verkörpern. Das Versuchs-, Montage-, und Bürogebäude, "Alte Verwaltung" genannt, befindet sich an der Plaza im Schilde-Park, die in den Jahren 2010 bis 2011 neu geschaffen wurden. Bei sämtlichen Gebäuden wurden die historischen Ziegelfassaden zunächst statisch- konstruktiv ertüchtigt, Ersatz nicht mehr sanierbarer Konstruktionsglieder aus Stahlbeton gegen neue Bauteile, Reinigung, Entfugung , Neuverfugung bis hin zu teilweiser Rekonstruktion der Ziegelfassaden, Ersatz abgängiger und nicht mehr bauzeitlicher Fenster gegen Aluminiumfenster, in Dimension und Teilung an historische Vorlagen angepasst.
Die denkmalgeschützten Industriegebäude sorgen für die einzigartige Identität des Ortes. Auch die direkte Nähe zum Stadtkern gibt dem Projekt eine enorme Strahlkraft weit über den Standort hinaus. Die Umgestaltung des Industrie-Areals verleiht damit der Stadt Bad Hersfeld eine zusätzliche neue städtebauliche Qualität. Eine innerstädtische Parklandschaft mit zukunftsweisenden Kultur- und Bildungsangeboten, die durch den Charme der stadtgeschichtlich bedeutenden, behutsam sanierten gründerzeitlichen Industriebauten geprägt wird. Die herausragende Qualität und Bedeutung des gesamten Projektes wurde u.a. durch die Auszeichnungen im Rahmen des Wettbewerbs "Zusammen Gebaut - Leben mit Wasser" der Landesinitiative Baukultur in Hessen 2013 sowie mit dem Deutschen Städtebaupreis 2014 belegt.