Straßenbauamt in der historischen Abtei Bad Gandersheim
Bauherr: Staatliches Baumanagement Göttingen
Ausführung: 2009 - 2010
Masterplan: 2002
LPH: 2 - 8
Projektleitung: Dipl.-Ing. Uwe Kleineberg
Denkmalpflege: Staatl. Baumanagement Göttingen / Stadt Bad Gandersheim
Im 13. Jahrhundert entstand das "Kaiserlich freie weltliche Reichsstift Gandersheim" für die Töchter des Hochadels. Grund für den Status war, dass die Nachfahren von Liudolf als Liudolfinger bzw. Ottonen mehrere Generationen lang die Kaiser des Reiches stellten. Die hohe Abstammung der hier lebenden Mädchen und Frauen begründet den Reichtum der Abtei: Das Stift Gandersheim existiert seit 1810 nicht mehr. Die östlich des Renaissancehauses der ehemaligen Abtei stehenden Bauwerke der Abtei zeigen nach wie vor den Wohlstand seiner einstigen Bewohnerinnen. Die Gebäude prägen durch die städtebauliche Situation sowie die prächtigen Fassaden des Barock- und Renaissanceflügel entscheidend das Stadtbild.
Von den Innenräumen ist der Kaisersaal in Original erhalten, der mit seiner eingewölbten und bemalten Decke sowie 35 Portraits von Fürsten, Äbtissinnen und Kanonissen ein Schmuckstück aus der barocken Zeit ist. Durch baubegleitende Restauratorische Untersuchungen war es möglich, bauzeitliche Befunde, Malereien und verzierte Deckenbalken zu sichern und in die neue Nutzung einzubeziehen. Die historische Enfilade wurde wiederhergestellt, zwei vermauerte repräsentative Konchen freipräpariert. Sämtliche historische Räume aus Barock und Renaissance wurden von späteren Einbauten befreit und die Geschossdecke im zweigeschossigen Foyer von 1950 wurde geschlossen, um so die bauzeitlichen Strukturen und Raumwirkungen wieder in ihrem ursprünglichen Zusammenhang erlebbar zu machen. Neue nutzungsbedingte Raumabtrennungen werden behutsam als "zweite Schicht" mit Distanzfugen zu historischen Raumbegrenzungen eingefügt. Die Entwurfs- und Detailarbeit wurde so entwickelt, daß die neue Nutzung mit der Ausstrahlung des historischen Ortes korrespondiert und positive Impulse erhält.